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Daten & Fakten

Wie häufig sind Menschen von sexualisierten Übergriffen betroffen und von wem gehen diese aus?

Sexualisierte Gewalt ist ein Thema, das viele Menschen betrifft – egal, ob sie selbst betroffen sind oder in ihrem sozialen Umfeld damit in Berührung kommen. Dabei geht übergriffiges Verhalten oftmals nicht von Fremden aus, sondern von Menschen, die den Betroffenen bereits bekannt sind.

Viele Menschen erleben sexuelle Übergriffe

Anteil der Befragten, die mindestens einen sexuellen Übergriff berichten

  • Frauen
  • Männer

Im Laufe des Lebens

17,8 % (Frauen)
4,8 % (Männer)

In den letzten 5 Jahren

4,0 % (Frauen)
1,4 % (Männer)

Über alle Befragten hinweg: 11,2 % im Laufe des Lebens, 2,7 % in den letzten fünf Jahren.

Quelle: LeSuBiA I, Themenheft I (BKA 2026)

Sexualisierte Gewalt ist keine seltene Erfahrung

Sexualisierte Gewalt ist ein Oberbegriff für sehr unterschiedliche Erfahrungen – von sexueller Belästigung bis zu sexuellen Handlungen gegen den Willen einer Person. Die Statistiken beziehen sich auf eine Teilmenge davon: sexuelle Übergriffe im engeren, rechtlich verankerten Sinn (§ 177 StGB). Sexuelle Belästigung ist eine weitere Form sexualisierter Gewalt und zugleich weit verbreitet: 45,8 % der Befragten geben an, sie mindestens einmal in ihrem Leben erlebt zu haben.[1]

Sexualisierte Gewalt ist keine seltene Erfahrung, sondern betrifft mehr Menschen als man denkt.

Häufig ist die übergriffige Person nicht fremd

Beziehung zur übergriffigen Person bei sexuellen Übergriffen der letzten fünf Jahre

  • Frauen
  • Männer

(Ex-)Partner*in oder Geliebte*r

46,5 % (Frauen)
24,3 % (Männer)

Flüchtig bekannte Person

24,8 % (Frauen)
33,3 % (Männer)

Freund*innen, Bekannte, Nachbar*innen

rund 20 % (Frauen)
27,1 % (Männer)

Fremde Person

12,4 % (Frauen)
11,0 % (Männer)

Arbeits- und Ausbildungsumfeld

6,8 % (Frauen)
8,3 % (Männer)

Mehrfachnennungen waren möglich, die Werte addieren sich deshalb nicht auf 100 %.

Quelle: LeSuBiA I, Themenheft I (BKA 2026)

Übergriffe gehen meist vom persönlichen Umfeld aus

Die gängige Vorstellung, dass sexuelle Übergriffe von völlig fremden Personen ausgehen, bildet nur einen kleinen Teil der Realität ab – das zeigen auch die Zahlen oben. Bei Frauen war am häufigsten ein*e (Ex-)Partner*in oder Geliebte*r die übergriffige Person, bei Männern am häufigsten eine flüchtig bekannte Person. In beiden Gruppen kommt eine fremde Person mit Abstand am seltensten vor.[1]

Sexualisierte Gewalt findet häufig genau dort statt, wo eigentlich Vertrauen besteht – in Beziehungen, Freundschaften und im Bekanntenkreis.

Junge Frauen sind besonders häufig betroffen

Sexuelle Übergriffe in den vergangenen fünf Jahren, Frauen nach Altersgruppen

16 bis 17 Jahre

20,1 %

18 bis 24 Jahre

etwa jede Sechste

25 bis 34 Jahre

etwa jede Vierzehnte

Bei Männern liegen die Werte deutlich niedriger: 1,7 % bei den 16- bis 17-Jährigen, am höchsten 5,1 % bei den 18- bis 24-Jährigen. Die Schätzungen für einzelne junge Altersgruppen sind wegen kleinerer Fallzahlen statistisch unsicherer.

Quelle: LeSuBiA I, Themenheft I (BKA 2026)

Alter und Geschlecht spielen eine Rolle

Frauen sind deutlich häufiger von sexuellen Übergriffen betroffen als Männer. Besonders junge Frauen sind betroffen: Bei den 16- bis 17-Jährigen berichten 20,1 % von einem sexuellen Übergriff in den vergangenen fünf Jahren – bei den Männern sind es 1,7 %. Auch bei den 18- bis 24-Jährigen und den 25- bis 34-Jährigen liegen die Werte der Frauen deutlich höher.

Gleichzeitig betrifft sexualisierte Gewalt Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts. Auch Männer und ältere Menschen berichten von entsprechenden Erfahrungen – Häufigkeit und Muster unterscheiden sich jedoch zwischen den Gruppen.[1]

Obwohl junge Frauen am stärksten betroffen sind, kennt sexualisierte Gewalt keine feste Zielgruppe.

Nur ein kleiner Teil wird angezeigt

Anzeigequote bei sexuellem Übergriff

  • Frauen
  • Männer

Angezeigt

3,0 % (Frauen)
14,5 % (Männer)

Der Wert für Männer beruht auf einer kleineren Fallzahl und ist statistisch unsicherer.

Quelle: LeSuBiA I, Themenheft I (BKA 2026)

Warum Polizeistatistiken nur einen Ausschnitt zeigen

Polizeistatistiken erfassen das sogenannte Hellfeld – also Taten, die der Polizei bekannt geworden sind. Viele Erfahrungen sexualisierter Gewalt tauchen dort nicht auf. Genau diese Lücke schließen Dunkelfeldstudien wie LeSuBiA: Dabei werden große, zufällig ausgewählte Bevölkerungsgruppen anonym zu ihren Erfahrungen befragt – unabhängig davon, ob sie je zur Anzeige kamen.

Bei sexuellen Übergriffen ist diese Lücke besonders groß, wie die Zahlen oben zeigen – vor allem bei Frauen liegt die Anzeigequote extrem niedrig.[1]

Die Gründe, keine Anzeige zu erstatten, sind vielfältig und individuell. Genannt werden unter anderem Scham sowie – bei Übergriffen innerhalb von Beziehungen – die Sorge, die andere Person oder die Beziehung zu belasten. Gerade wenn die übergriffige Person aus dem eigenen Umfeld stammt, kann die Entscheidung zusätzlich komplex sein.[1]

Eine niedrige Anzeigequote bedeutet nicht, dass solche Erfahrungen selten sind. Sie zeigt, dass Dunkelfeldbefragungen und Polizeistatistiken unterschiedliche Ausschnitte der Realität abbilden.

Was du daraus mitnehmen kannst

Wenn du sexualisierte Gewalt erlebst und mit niemandem darüber sprichst, kann es helfen zu wissen: Vielen Menschen geht es genauso, und du bist nicht allein!

Quellen & weiterführende Literatur
  1. [1] Bundeskriminalamt (2026): Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA I), Themenheft I – Gewalterfahrungen innerhalb und außerhalb von (Ex-)Partnerschaften. Zur Quelle

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